Pater Gerhards Rundbriefe

den 23. März 1988

Grüß Gott,

Der Bau unseres kirchlichen Entwicklungshilfe- und Pfarrzentrums in Mahlabatini schreitet rasch voran. Ich habe in meinem Osterrundschreiben ja schon ein wenig davon erzählt. Schon ist der Dachstuhl auf dem ersten Bauabschnitt und den zweiten Abschnitt, die große Halle, werden wir wohl demnächst beginnen können. Daß einem beim Bauen das Geld zwischen den Fingern zerrinnt, weiß jeder, der selber schon mal Bauherr war. Um so dankbarer, bin ich eben für Ihre Hilfe!

Aber es sind nicht nur die großen Projekte, wo wir Missionare helfen sollen, die alltägliche Pfarrarbeit gibt uns genügend Gelegenheit unsere Hilfsbereitschaft unter Beweis zu stellen.

Am vergangenen Samstag wollte mir in Bhokweni glatt ein alter Mann meine Brille abbetteln weil er so schlecht sieht. Da kann man fast nicht nein sagen, nur hätte ihm meine Brille kaum etwas geholfen, aber ohne Krankenversicherung wird eine Brille eben unerschwinglich, wenn zudem der nächste Optiker erst in ca. 150 km Entfernung zu finden ist. Bei solchen und vielen anderen Gelegenheiten sind dann eben wir Missionare die Ansprechpartner für die Zulu, wie gut, daß uns manche Leute aus der Heimat gebrauchte Brillen und Kleidung schicken, damit unsere Hilfe sich nicht nur auf den guten Willen beschränken muß.

Vergangenen Sonntag wurden wir allen Ernstes gefragt, ob wir nicht mit unserem Auto einen Leichentransport vom Krankenhaus zum Kraal des Verstorbenen durchführen könnten, weil dort - wie hier üblich - die Beerdigung sei, aber der Weg vom Regen so aufgeweicht sei, daß nur die guten Autos der Mission durchkämen. Vielleicht scheuten die Angehörigen - der Tochter bezahlen wir das Studium - auch die "Reinigungskosten" des Fahrzeuges. Um ein Fahrzeug vom "Schatten des Todes" zu reinigen, der ihm nach einem Leichentransport unweigerlich anhaftet, müssen die Angehörigen nämlich eine Ziege schlachten, den Mageninhalt der Ziege dann mit Wasser vermengen und damit den Laderaum des Autos auswaschen. Der Rest der Ziege gehört dann dem Autobesitzer, der sie, wenn er anständig ist, mit den Angehörigen verspeist. Der weiße Missionar ist an jenen Brauch der Autoreinigung nicht gebunden - von ihm erwartet man auch nicht, daß er abergläubisch ist - so bleibt den Angehörigen die lebendige Ziege, wenn der Missionar die Leiche transportiert. Ob mit oder ohne Ziege wollten wir aber die Leiche nicht transportieren, schon damit die Leute nicht immer zu uns kommen, wenn wir einmal ja sagen. Trotzdem wollten wir die arme Familie nicht hängen lassen und fragten Miya, einen Arbeiter, der bei uns auf der Station arbeitet und einen Führerschein besitzt, ob er es nicht mit unserem Auto tun würde. Dann stellte sich aber heraus, daß Miya noch einen Zwillingsbruder hat. Wenn aber ein Zwilling etwas mit Leichen zu tun hat, legt sich im Aberglauben der Zulu der zweite wie eine Last auf seine Schultern und drückt ihn nieder, so daß er krank werden kann. Das glaubte ich nicht und sprach selber mit Miya. "Nein, Pater, ich kann wirklich nicht", sagte er, "das würde mich glatt umbringen!"

Das ist Afrika, unsere Lebenswirklichkeit und unser Arbeitsfeld. Es gibt noch unendlich viel zu tun, um die Frohbotschaft Christi in den Herzen der Zulu zu verankern. Helfen Sie mir bitte weiterhin, besonders durch Ihr Gebet, daß uns Gott immer mehr zu Werkzeugen seines Friedens und seiner Liebe schmiede!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Pater Gerhard


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