Pater Gerhards Rundbriefe

den 11. Juni 1988

Grüß Gott,

Es ist schon eigenartig, was man von uns Missionaren alles erwartet.

Ich sitze gerade in Mahlabatini und dachte, jetzt nütze ich die abendliche ruhige Stunde, um Ihnen einen Brief zu schreiben. Da kommt unser Pfarrer P. Severin in mein Zimmer geeilt: "Schnell, Gerhard, komm! Ich hab' gerade jemand nebenan ins Krankenhaus gebracht, die ganz schlecht atmet. Schau, ob wir keine Medizin haben! Die im Krankenhaus haben nichts!" Gottlob bekommen wir immer wieder Medikamente geschenkt und so fand ich schnell in unserer erweiterten Hausapotheke, was vonnöten war und wir konnten der Patientin helfen. Seit die Regierung von kwaZulu unsere Missionshospitäler übernommen hat, ist es mit der Versorgung der Kranken immer schlechter geworden. Die Krankenwagen z.B. unterscheiden sich von Lieferwagen nur durch das Sondersignal und werden natürlich nicht von ausgebildeten Sanitätern gefahren, weil es solche nicht gibt. Die Krankenhäuser haben kaum Medikamente oder sonstiges medizinisches Material und viele davon werden von keinem Arzt mehr betreut sondern stehen schlicht unter der Leitung einer Krankenschwester. Wie es in manchen dieser Hospitäler, zumal dort, wo keine unserer Missionsschwestern mehr tätig sind, zugeht und aussieht, erzähle ich Ihnen lieber nicht, sonst vergeht Ihnen der Appetit auf Ihre nächste Mahlzeit.

Freilich wollen wir helfen, nur sind uns großteils die Hände gebunden, aber es ist erstaunlich wieviel man auch mit gebundenen Händen noch tun kann, wenn man nur will. Deshalb wollen wir ja auch in unserem kirchlichen Entwicklungshilfe- und Pfarrzentrum in Mahlabatini z.B. Kurse in Erster Hilfe, Kranken-, Säuglings- und Altenpflege, Gesundheitsvorsorge u.ä. anbieten, um eben das zu tun, was wir tun können, um den Leuten ein wenig zu helfen, damit sie sich selber helfen können. Ob, wann und wie wir es verwirklichen können, wird die Zukunft zeigen.

An gutem Willen und Zähigkeit fehlt es uns jedenfalls nicht. Was täten wir ohne Sie, und die anderen Wohltäter unserer Arbeit, denn ohne Hilfe von außen könnten wir einfach nicht in diesem notwendigen Ausmaß zu helfen versuchen, wenn's auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber ein andres Sprichwort sagt eben so treffend, daß der stete Tropfen den Stein höhlt. Das tut uns Missionaren eben so gut, zu wissen, daß wir Freunde wie Sie zu Hause haben, die an uns denken und unsere Sorgen und Nöte mittragen. Möge auch Sie der Herrgott in Ihren Sorgen und Nöten tragen und Ihnen immer wieder Menschen schicken, die Ihnen zeigen, daß Sie in seinen Händen geborgen sind.

Herzlichst

Ihr Pater Gerhard


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