Pater Gerhards Rundbriefe

Mahlabatini, den 31. Oktober 1988

Grüß Gott,

ein - na, sagen wir diesmal - Brief kommt selten allein, wenigstens scheint es bei mir so zu sein. Aber er soll eben kein Unglück sein, sondern ein Zeichen meiner Dankbarkeit und Freude.

Ein ganz besonderes Erlebnis - nicht nur für die Kirche des südlichen Afrika - war natürlich der Besuch des Heiligen Vaters. Am 16. September war ich in Swaziland dabei. Von hier sind es ja nur etwa 150 Kilometer dorthin. Bei aller Kritik, die sich mancherorts an den vielen Reisen des Papstes entzündet, war es doch beeindruckend und ergreifend, wie sehr gerade die Menschen einer kleinen, armen und jungen Kirche, wie es die katholische Kirche im Swaziland ist, dankbar sind, daß sich der Heilige Vater nicht zu fein ist, zu ihnen zu kommen und wie sie jenes Zeichen der Einheit und Verbundenheit stärkt und in ihrem Glauben in einer völlig heidnischen Umgebung ermutigt. Bestaunt habe ich den Mut des Papstes, offen gegen die Vielweiberei einzutreten und das in Gegenwart des heidnischen zwanzigjährigen Swazikönigs Mswati, der sich jedes Jahr eine weitere Frau nimmt - so auch eine Woche vor dem Papstbesuch im selben Stadion -, aber von den Swazis wie ein Gott verehrt wird. Dafür ist es dem Heiligen Vater dann zum ersten Mal bei der Audienz bei einem Staatsoberhaupt passiert, daß er eine geschlagene halbe Stunde warten mußte, bis er vorgelassen wurde. Daß der Swazikönig eine Viertelstunde zur Papstmesse zu spät kam und dann noch im Luxuswagen mit großer Eskorte, rotem Teppich, Tamtam und Trara ins Stadion einzog, so daß der Heilige Vater die Hl. Messe unterbrechen mußte, wurde uns als ein Zeichen des Respekts hingestellt. Na ja, andere Länder, andere Sitten, oder auch nicht?!

Mit den Sitten ist es aber hier bei uns im Zululand auch nicht weit her, jedenfalls was zur Zeit die Schulen betrifft. In Mariannhill gab es einen regelrechten Schüleraufstand, weil es die Schulleitung gewagt hatte, Schüler aus der Schule zu entlassen, weil es mit deren Sitten und Benehmen erheblich haperte. Ob dies nun Schule macht? Jedenfalls brodelt es auch an unserer Schule hier in Mahlabatini ganz gewaltig, zum einen mit Recht, weil manche einheimische Lehrer ihre mangelden pädagogischen Fähigkeiten mit dem Rohrstock etwas zu exzessiv zu kompensieren suchten, zum anderen weil die Schulleitung es aus den o.g. Gründen nicht wagte, gewisse Störenfriede rechtzeitig zu entlassen. Dazu kommen noch ein paar himmelschreiende persönliche Streitigkeiten zwischen Lehrern und Schülern, über die des Sängers Höflichkeit hier besser schweigt als schreibt, so daß ich Sie bitten möchte, wenn Sie für den Frieden in der Welt beten, auch an unsere Schule zu denken. Ja, das sind die Probleme, wenn man nicht mehr genügend eigene Kräfte als Lehrer hat und dann eben Einheimische anstellen muß, die lieber an eine katholische Privatschule kommen, weil's an den Regierungsschulen noch weit schlimmer zugeht, und das aber nicht etwa weil sie so gute Lehrer wären oder ihnen gar etwas an einer Erziehung im christlichen Sinn läge.

So ist es eben eines unserer größten Anliegen, daß wir den Herrgott bitten, Arbeiter in seinen Weinberg zu senden, freilich Berufungen hier aus dem Zululand, die im Orden oder Priestertum wirklich Gott suchen und sonst gar nichts; aber die Zeit der Missionare ist längst nicht vorbei, d.h. wir bitten auch sehr, daß der Herrgott das Herz unserer kirchlichen Oberen erweiche, damit sie uns weitere Missionare senden, aber auch daß genügend Nachwuchs für die Kirche in der Heimat zur Verfügung steht, damit eben auch Kräfte freiwerden können für den missionarischen Dienst.

Ansonsten geht's uns hier relativ gut. Unser Kirchneubau in Bhokweni, eine schöne Rundkirche im Stil einer einheimischen Huette, ist fertig, nur einweihen können wir sie noch nicht, weil uns das Geld zum Kauf der Inneneinrichtung noch fehlt. Bei unserer Pfarrhalle in Mahlabatini stehen nun die Stahlkonstruktion und die Wände. Bald wird das Dach montiert und wenn dann die Fußböden betoniert sind, wird's nicht mehr lang dauern bis zur Fertigstellung. Im Entwicklungshilfe-und Pfarrzentrum laufen bereits die ersten Nähkurse und jetzt hat ein Lehrgang im Gartenbau begonnen, damit die Frauen zu Hause lernen, neben dem Mais, den es ohnehin tagaus tagein gibt, Gemüse und andere vitaminreichen Pflanzen anzubauen, damit sie ihre Kinder besser und gesünder ernähren können.

In der seelsorglichen Missionsarbeit läuft auch alles bestens. Es ist ein wenig Alltag eingekehrt, sofern man die Sorge für 27 Kirchengemeinden mit Gottesdiensten, Religionsunterricht, Sakramentenvorbereitung, Krankenbesuche und viele soziale Nothilfen als Alltag bezeichnen kann. Recht hektisch ist er jedenfalls, doch erfüllt mit viel Freude. Ich bin jedenfalls recht froh, daß ich wieder hier in Mahlabatini in der Seelsorge stehen darf, weil unser nicht allzu gesunder Pfarrer P. Severin dringend einen Helfer brauchte und weil ich selber in Mahlabatini in den fast zwei Jahren meines Hierseins ein Stück neue Heimat gefunden habe.

Nun sende ich aber nochmals ganz liebe Grüße zu Ihnen und ich danke Ihnen für alles, womit Sie uns zeigen, daß wir nicht alleine dastehen, sondern daß hinter uns liebe Menschen wie Sie stehen, die unsere Anliegen mittragen.

So bleibe ich mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen im täglichen Gebet auch Ihnen treu verbunden.

Herzlichst Ihr

Pater Gerhard


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