Pater
Gerhard T Lagleder OSB
Benedictine Mission
P O Box 440
Mandeni 4490
Republic of South Africa

Mandeni, den 18. Dezember 1998

Meine lieben Verwandten, Freunde und Bekannten,

Von verschiedene Seiten schon wurde ich gefragt, wie man denn bei uns im Zululand Weihnachten feiert. Die Frage ist verständlich, denn bei uns gibt es weder Tannenbäume noch rieselt der Schnee im Hochsommer der südlichen Erdhalbkugel bei rund um die 40°C. Glühwein, Punsch, Christstollen und Lebkuchen kennt hier auch keiner, nicht einmal den Hl. Nikolaus, auch keinen Adventkranz, keine Rorateämter in aller Herrgottsfrühe, keine Weihnachtsplätzchen und die Melodie von "O du fröhliche.." singt man hier das ganze Jahr über zum Text eines Marienliedes.

Andere Länder, andere Sitten, aber trotzdem ist die Weihnachtszeit auch bei uns eine ganz besondere Zeit:

Erst mal muß man in Südafrika natürlich sehr unterscheiden zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die (ausgewanderten) Deutschen werden wohl eine dem Deutschen Brauchtum angelehnte Weihnacht feiern, ebenso die Italiener und Portugiesen usw.

Was die gebürtigen Südafrikaner betrifft, kann ich über Brauchtum bei den (holländischen) Buren leider nichts sagen (weil ich selber davon nichts weiß).

Was die Engländer und ihre Nachkommen betrifft, sieht Weihnachten folgendermaßen aus: Zunächst muß erwähnt werden, daß Weihnachten ein Familienfest ist, d.h. die Familie bleibt normalerweise unter sich. Gäste und Freunde werden erst tags darauf eingeladen. Der. Hl. Abend ist ein Tag wie jeder andere bis auf den Besuch der Mitternachtsmesse, mit der das Weihnachtsfest beginnt. Zuvor ißt man Minced Pies, d.h. mit Früchten gefüllten Blätterteig, eine Art Früchtebrot. Dazu gibt's Kaffee oder Wein. Die Kinder legen ein Minced Pie und ein Glas Milch unter den Christbaum für den Weihnachtsmann, der sie dann mit Geschenken belohnt, wenn er, während die Familie bei der Christmette ist, vom Norpol her kommend auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten zu Besuch kommt. Zu Beginn des Advent hatten die Kinder bereits einen Brief an den Weihnachtsmann geschrieben, um ihm zu sagen, wie brav sie waren, weil nur brave Kinder vom Weihnachtsmann beschenkt werden. Am Weihnachtstag selbst findet die Familie die in Geschenkpapier verpackten Geschenke des Weihnachtsmannes unter dem Christbaum, die dann vom Familienvater feierlich an jeden verteilt werden und erst dann geöffnet werden dürfen. Der Geschenkesfreude schließen sich dann die Gaumenfreuden an, d.h. ein möglichst opulentes Mittagsmahl (Christmas Dinner), das für einen Großteil der nicht religiös angehauchten Leute der Mittelpunkt des Festes ist. Wer sich in diesem Kreisen kein großes Weihnachtsmahl leisten kann, wird als wirklich arm eingestuft. Das lange Mahl mit vielen Gängen ist ein recht lustiges Ereignis: Man trägt Papierhüte (wie eine Krone), wirft sich Luftschlangen zu, bläst Luftballone auf und öffnet Christmas Crackers, d.h. Knallbonbons (das ist so was wie eine Wundertüte in der Form eines großen Bonbons; einer zieht am einen Ende, ein anderer am anderen Ende bis der Cracker in der Mitte mit einem Knall zerrreißt - wegen eines eingebauten Knallers, wie bei Spielzeugpistolen - und den Inhalt freigibt, d.h. ein kleines Plastikauto, oder einen Kreisel oder sonstigen Kleinkram und meistens ein Zettelchen mit einem weisen Spruch). Das Mahl sollte traditionell jedenfalls Truthahn und Räucherschinken beinhalten. Nicht zu vergessen ist dann der Christmas-Pudding (Vorsicht: Das ist kein Pudding sondern so was wie ein Früchtekuchen und der enthält eingebackene - echte - Münzen und kleine Talisman-Anhänger, was besonders bei den Kindern sehr appetitanregend wirkt). Das Mahl geht dann in eine je nachdem mehr oder weniger feucht-fröhliche Party über, die sich bis spät in den Abend hinein ausdehnen kann.

Was die Zulu betrifft, sieht die Sache nun völlig anders aus: Zunächst einmal muß man die Realitäten sehen, d.h. daß viele Menschen - ob schwarz oder weiß - den religiösen Festinhalt kaum ins Auge fassen. Weihnachten ist die Zeit, wo die meisten Wanderarbeiter (Leute, die oft hunderte von Kilometern entfernt von zu Hause irgendwo in einem Bergwerk oder Hafen etc. arbeiten) nach Hause kommen. Für viele ist das die einzige Gelegenheit im Jahr, ihre Familie (incl. Frau) wiederzusehen. Viele dieser Wanderarbeiter sind recht rauhe Gesellen und die Zulugesellschaft ist sehr patriarchalisch geprägt, d.h. sie kommen nach Hause, um sich von ihrer Frau bedienen zu lassen und die armen Ehefrauen haben dann den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als den Herrn Gemahl mit Speis und vor allem Tank (Zulubier - utshwala - wird zu Hause von der Frau selber gebraut) bei Laune zu halten. Die Laune verhilft den meisten dann zu regelmäßigem Kindersegen im folgenden September. Oft aber schwappt die Laune über und Weihnachten hat traurige Berühmtheit erlangt als die Zeit, in der die alten Stammesrivalitäten neu aufflackern und mit illegalen Schußwaffen trefflich ausgetragen werden. Über all den ehelichen Pflichten finden dann viele Frauen einfach nicht die Zeit und Muße zum Gottesdienstbesuch und so sind die Kirchen - speziell in den ländlichen Gebieten - an Weihnachten noch leerer als sonst. Es gibt aber auch einen schönen weihnachtlichen Brauch bei den Zulu, nämlich die isiHlahla-Feier (sprich: Ißi-schláschla). isiHlahla heißt Busch oder Baum und gemeint ist damit der Christbaum. Tannen oder Fichten gibt's in Südafrika nicht und wenn keine Föhre oder wenigstens Pinie (das ist das, was dem Tannenbaum am nächsten kommt) zur Verfügung steht, tut es auch irgendein anderer Strauch oder Busch. Hauptsache er wird mit bunten Bändern (meist aus Krepp-Papier) geschmückt. Die Feier findet meist direkt in der Kirche nach einem Gottesdienst statt, nicht notwendigerweise an Weihnachten selbst, aber jedenfalls nicht allzu lang nach Dreikönig. Die Gläubigen bringen kleine Geschenke mit, die in Geschenkpapier oder zumindestens in Zeitungspapier verpackt sind. Jedes Geschenk hat einen kleinen Zettel aufgeklebt, auf dem der Geber und der Empfänger des Geschenkes aufgeschrieben sind, z.B. von Ntombifuthi Hlatshwayo für Sipho Dlamini. Die isiHlahla-Feier wird von einem Zeremonienmeister geleitet, der erst alle herzlich begrüßt und dann möglichst viele Programmpunkte aufruft, d.h. Gesänge und Tänze sanges- und tanzfreudiger Gruppen und Individuen, und zwischendurch werden dann immer wieder Pausen zur Geschenkeverteilung (jeder wird öffentlich aufgerufen und muß zum Geschenkempfang vortreten) unterbrochen. Die Geschenke reichen von einem Stück Seife, über einen Teller oder eine Tasse zu Taschentüchern oder sonstigen kleinen, aber brauchbaren Dingen. Wenn alle Geschenke ausgeteilt sind und jeder alles zum Besten gegeben hat, schließt die Feier genauso wie sie eröffnet wurde: mit einem Gebet.

Ein Weihnachtsbrauch, der sich bei allen Südafrikanern sehr verbreitet hat, muß noch erwähnt werden: Das Senden von Weihnachtskarten. Jeder muß so viele Weihnachtskarten wie nur möglich versenden - nur per Post (selbst Leuten, die man jeden Tag bei der Arbeit trifft, wird die Weihnachtskarte per Post zugestellt) - um dann auch möglichst viele Weihnachtskarten zu erhalten. Die Karten werden dann, nach englischem Brauch, auf einer Leine aufgehängt, was dann wie eine Art von besonderer Girlande aussieht. Wer die Karten nicht aufhängt, muß sie jedenfalls aufstellen und jeder Besucher kann, wenn er will, all die mehr oder weniger weisen oder frommen Sprüche und Wünsche lesen.

Was die Geschäftswelt betrifft, ist Weihnachten genauso schlimm wie in Deutschland. Ab Oktober gibt's in manchen Geschäften schon Weihnachtsschmuck und Weihnachtsmusik, so daß man's an Weihnachten schon nicht mehr hören und sehen kann. Haupsache der Umsatz stimmt. Von der Menschwerdung des Erlösers Jesus Christus ist praktisch nie die Rede. Christus wurde aus der Weihnacht ohnehin herausgekürzt. Das englische Wort für Weihnachten "Christmas" ist oft nur noch zu "Xmas" geschrumpft, Weihnachtswünsche wurden zu "Compliments of the Season" (Wünsche für diese Jahreszeit) und von Amerika her kommend wird die Weihnachtszeit einfach nur noch zur Holiday Season (Urlaubszeit) und die Weihnachtswünsche werden zu Feriengrüßen. Wer weiß schon, daß "Santa" (Santa Claus) eigentlich der Hl. Nikolaus wäre, der am 6. Dezember, seinem Festtag, sozusagen als weihnachtlicher Vorbote den Menschen mit seinen kleinen Geschenken die Güte Gottes spüren läßt? Er ist zum bärtigen Riesenzwerg geworden, der - wie schon oben erwähnt - am Nordpol wohnt und aus unerfindlichen Gründen einfach in der "Urlaubszeit" die guten Leute beschenkt.

Das Zuluwort für Weihnachten uKhisimusi (Lehnwort von Christmas) hat gar einen Bedeutungswandel erfahren und wird oft nur noch in der Bedeutung als Geschenk oder Trinkgeld verwendet. Der Tankwart an der Zapfsäule, der Bettler an der Pfarrhaustür, die Kinder auf dem Parkplatz, alle haben nur eine Bitte: Ngicel' iKhisimusi - ich bitte um ein Weihnacht(sgeschenk). Sicher kommt es davon, daß die Reicheren seit jeher an Weihnachten eher geneigt waren, den Ärmeren etwas von ihrem Überfluß abzugeben und das ist ja schließlich gar nicht so verkehrt, feiern wir doch an Weihnachten, daß sich der unermeßlich gnadenreiche Gott erniedrigt hat und ein armer Mensch geworden ist.

Ja, arm, hilfsbedürftig, klein und demütig ist er geworden, der große Gott, ein kleines Kind armer Eltern, die keine Herberge bekamen und ihr Neugeborenes in eine Futterkrippe betten mußten. Die Drei Könige fanden ihn dann gottlob auch nicht im Palast der Herrscher sondern dort, wo sich Gott am meisten hingezogen fühlt, bei denen, die es nicht verlernt haben, zu bitten, die Hände, Augen und Ohren zu öffnen und alles, aber auch alles von Gott zu erwarten. Ich denke, wir tun uns heutzutage oft so schwer, Weihnachten wirklich zu verstehen, weil wir vor lauter Geschwätzigkeit verlernt haben, den Mund in staunender Ehrfurcht zu öffnen; weil wir es vor lauter Geschäftigkeit verlernt haben, die Hände in bittender Bereitschaft aufzuhalten; weil wir es vor lauter Gehetztheit verlernt haben, die Augen auf die Größe des kleingewordenen Gottes auszurichten; weil wir es vor lauter Gescheitheit verlernt haben das menschgewordene Wort Gottes im Herzen zu bewahren; weil wir es vor lauter Getue verlernt haben uns dem Herrgott einfach anzuvertrauen. Einfach wie die Hirten, offen, eingedenk unserer Hilfsbedürftigkeit müssen wir wieder werden, damit wir Weihnachten verstehen, neu entdecken und als ganz persönliches Heilsereignis erfahren können. Genau das wünsche ich Euch allen zum Weihnachtsfest: Daß Ihr dem Herrn ganz persönlich begegnen könnt, der all Euere Not und Sorgen, Krankheit und Trübsal, Angst und Verzweiflung, Schmerz und Trauer, Einsamkeit und Verbitterung, Verzagtheit und Zweifel, alles selber aus eigener Erfahrung kennt und mit Euch trägt als guter Hirt, als liebender sorgender Vater, als leidender Gottesknecht am Kreuzweg und Kalvarienberg und Euch und alles hinführt zum großen Ostersieg über Tod und Teufel zum Leben in Fülle, Friede und Freude und das nicht nur in Ewigkeit, sondern schon hier und heute, auf dieser unserer Welt.

Daß wir das allen Menschen spürbar und erfahrbar machen, ist unser aller Aufgabe als Christen und dies bis an die Enden der Erde zu tun, nennen wir Mission. Das ist weder veraltet noch überholt, sondern eine dringende Notwendigkeit, die unseren vollen und unbegrenzten Einsatz erfordert. Das ist meine Aufgabe hier im Zululand und Euere Aufgabe dort in Europa und je besser wir zusammenhelfen, desto mehr können wir gemeinsam erreichen.

So möchte ich Euch an dieser Stelle ganz herzlich für all Eure Verbundenheit mit mir und meiner Missionsarbeit danken.

Da mein letztjähriger Weihnachtsgruß notgedrungen sehr wortkarg war, möchte ich Euch heute etwas ausführlicher über mein ora et labora, mein Beten und Arbeiten in den beiden vergangenen Jahren als Missionsbenediktiner im Zululand berichten: Für die Neulinge unter meinen Rundbrieflesern sei erwähnt, daß mich mein Mutterkloster St. Ottilien im Jahr 1987 als Missionar nach Südafrika ausgesandt hat und seither bin ich der Abtei Inkamana zugewiesen. Diese hat mich beauftragt, im Seelsorgerischen Dienst der Diözese Eshowe, die Pfarreien Mangete (seit 1990) und zusätzlich Mandeni (seit 1991) zu übernehmen. Mandeni, wo ich im Pfarrhaus wohne, liegt 15 km oberhalb der Mündung des Tugelaflusses in den Indischen Ozean 100 km nördlich der großen Hafenstadt Durban.

Wie überall in Südafrika ist die Bevölkerung dort bunt durcheinandergewürfelt. Die etwa 100.000 Einwohner des Gebietes sind zu 90% Zulu, zu 6% Mischlinge und zu 4% weiße Südafrikaner. Als Siedlung für schwarze Arbeiter einer großen Papierfabrik entstand die Township Sundumbili. Deren Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren durch die Entwicklung eines riesigen Industriegebietes in Isithebe stark vermehrt, welches ca. 23.000 Arbeitsplätze bietet. Der Reiz, mit Geld für Arbeit entlohnt zu werden, lockte viele aus dem intakten Sozialgefüge ihrer heimatlichen Kraale heraus, da sie aufgrund der weiten Entfernungen nur noch selten nach Hause kommen können. Dies hat sich aber nur für die wenigsten bezahlt gemacht, denn die Löhne sind doch so gering, daß sie nicht einmal zum Bau einfacher Häuser ausreichen. So sind um Isithebe und Sundumbili ausgedehnte Elendsviertel entstanden, in denen Menschen teilweise in sehr kleinen und primitiven Hütten leben müssen, die sie sich aus Wellblech, Brettern, alten Säcken, Autowrackteilen und Verpackungskartons zusammengestückelt haben. Es gibt weder fließendes Wasser noch Brunnen und Elektrizität ist für viele noch ein Fremdwort. Ohne Hilfe von außen gelingt es daher nur ganz wenigen, dem Teufelskreis der Armut zu entrinnen: Bildungsnotstand führt zu Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit bedingt Hunger, Hunger macht krank, Krankheit schafft Armut und wer arm ist kann sich keine Bildung leisten.

Da kann weder die Kirche noch der Pfarrer sich auf die Liturgie und die Katechese als kirchliche Aufgaben beschränken, sondern die Caritas, die aktiv praktizierte christliche Nächstenliebe ist in unserer Situation Voraussetzung, Mittel und unverzichtbarer Bestandteil kirchlichen Handelns. Mit anderen Worten: Ich darf den Hungernden und Kranken nicht nur in Worten vom liebenden und sorgenden Gott erzählen und mein Gebet und meine Predigt bliebe ebenso unglaubwürdig, wenn nicht die caritative Tat zum Hauptbestandteil meiner Verkündigung würde. Als ich in die Gegend von Mandini kam, stellte ich fest, daß es unter der Bevölkerung unbeschreibliche Armut, Not und Elend, Krankheit und Hoffnungslosigkeit gibt. Nun besteht die große Gefahr, daß der Missionar meint, er brauche nur die Ärmel hochzukrempeln und genügend Spenden sammeln, um damit die Not der Menschen selber und im Alleingang lindern zu helfen. Das wäre zwar gut gemeint, aber der falsche Ansatz. Was wir tun müssen, ist nicht Almosen zu geben, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Südafrikaner müssen den Südafrikanern helfen, nicht der deutsche Missionar mit all seinem Idealismus allein. Deshalb habe ich hierzulande (im Jahr 1992) eine Hilfsorganisation gegründet, deren aktive Mitglieder selber Südafrikaner sind und damit haben wir es erreicht, daß die Südafrikaner den Südafrikanern helfen. Unser Verein ist als Kirchliche Bruderschaft konstituiert und dem Malteser-Ritterorden als Hilfsorganisation angeschlossen und nach dem Gründer des Malteserordens, dem Seligen Gerhard (dessen Namen auch ich mit Stolz als Ordensnamen tragen darf), die "Brotherhood of Blessed Gérard" genannt. Wir zählen nunmehr über 700 Mitglieder.

Wir betreiben ein Pflege-, Sozial- und Hospizzentrum, einen Kindergarten, eine Nähschule, ein Hungerhilfeprojekt für unterernährte Kinder, ein AIDS-Aufklärungsprogramm, einen Altenclub, einen Stipendienfonds, einen Nothilfefonds und einen Fonds für mittellose Kranke. Wir stehen als Hilfsorganisation für den Zivil- und Katastrophenschutz zur Verfügung und unser Krankenwagen wird auch immer wieder zu Notfällen gerufen. All unsere Dienste werden grundsätzlich kostenlos angeboten, nur die Kindergarten verlangt eine nominelle Gebühr von 8,-- DM pro Monat und die Nähschule verlangt 20,-- DM pro Monat (Stoffe und Garn eingeschlossen). Trotzdem müssen wir die Gehälter für die Erzieherin und die Nählehrerin bezahlen. Dasselbe gilt für alle anderen Projekte und auch das Pflege-, Sozial- und Hospizzentrum. Leider können wir dies nicht ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften betreiben. Momentan haben wir für die Gesamtorganisation eine Geschäftsführerin (Frau Clare Kalkwarf) und eine Sekretärin (Frau Caroline Beaumont) angestellt. Das Care Centre beschäftigt eine Krankenschwester (Sr. Sanet van Zyl), eine Pflegekraft (Herrn Milton Mlangeni), zwei Haushälterinnen (Frl. Annastacia Geswindt und Frl. Hlengiwe Mabasa) und einen Gärtner (Herrn Emmanuel Mbatha). Meine Pfarrhaushälterin (Frau Dorothy Dlamini) hilft auch im Care Centre mit zusammen mit vielen und gottlob auch stets neuen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus dem In- und Ausland (Deutschland und USA). Wir bekommen keinerlei staatlichen Zuschüsse - der Gesundheitssektor ist soviel wie bankrott -, keine kirchlichen Zuschüsse und finanzieren alles aus freiwilligen Kostenbeiträgen der Patienten (die so viel wie nicht ins Gewicht fallen, da es ja meist sehr arme Menschen sind, denen wir helfen), aus Mitgliederbeiträgen und Spenden.

Unser Dienst wird immer notwendiger, zumal das öffentliche Gesundheitswesen in unserem Land aus verschiedenen Gründen am Zusammenbrechen ist und das angesichts des traurigen Rekords, daß wir als das Gebiet mit der höchsten AIDS-Durchseuchung auf der ganzen Welt gerechnet werden. Etwa 60 % der Bevölkerung in und um Mandeni sind HIV-positiv! Da scheint es wie ein Akt göttlicher Vorsehung, daß wir gerade hier einen qualitativ hochstehenden Basisgesundheitsdienst und ein Hospiz aufgebaut haben.

Im pfarrlichen Leben waren die Höhepunkte sicher die Priesterweihe (18. Juli 1998) und Primiz (19. Juli 1998) eines meiner ehemaligen Pfarrkinder in Mangete, Sibongeleni Hemengield Nene.

140 Taufen, viele Erstkommunikanten, 96 Firmungen, 24 Hochzeiten und 27 Beerdigungen - das schließt die Pfarrei Mangete nicht ein, die ich bis Ende 1997 mit betreut habe - mit all den notwendigen Vorbereitungskursen und begleitenden Seelsorgsgesprächen haben mich und meine Mitarbeiter in der Seelsorge (Katechist Victor Nzuza und Religionslehrerin Clare Kalkwarf) neben Krankenbesuchen und der üblichen Pfarrarbeit ganz gut auf Trab gehalten. Seit Weihnachten 1997 hat unser Bischof die Pfarrei Mangete wieder mit einem eigenen Pfarrer besetzt. Mein Nachfolger in Mangete ist der Diözesanpriester Sipho Titus. Ich kenne ihn schon seit seiner Studienzeit als Seelsorgepraktikant, als ich selber noch als Kaplan in Mahlabatini war. Schon damals hatte ich einen sehr guten Eindruck von ihm und heute bin ich froh und dankbar, von einem so eifrigen guten Priester abgelöst worden zu sein. Nun kann ich mich ganz auf die Pfarrei Mandini und unsere Bruderschaft konzentrieren. Nebenbei habe ich trotzdem noch genügend zu tun. Seit 1996 bin ich der Dekan des Dekanats Eshowe (unsere Diözese besteht aus nur zwei Dekanaten: Inkamana und Eshowe). Mein Amt als gewählter Konventvertreter im Seniorat der Abtei Inkamana führt mich regelmäßig in mein Missionskloster und als Delegierter der Abtei Inkamana für die Afrikanische Region der Missionsbenediktiner und den Think Tank (Beratungsgremium) der Abtei und der Afrikanischen Region führten mich schon zweimal in diesem Jahr nach Tansania. Mein Amt als Finanzverwalter im Vorstand des Ökumenischen Kirchenrates des Zululandes habe ich wegen Arbeitsüberlastung zurückgegeben.

Wenn dann doch noch ein paar freie Minuten bleiben, sind diese durch mein Interesse am Computerwesen absorbiert. Dies hat mir die Mitgliedschaft in der Internationalen Internet Task Force des Malteserordens eingebracht und zwischenzeitlich habe ich ziemlich ausführliche Informationen über die Missionsbenediktiner und die Abtei Inkamana, den Malteserorden und die Brotherhood of Blessed Gérard und ein Internet- und e-mail Verzeichnis der Katholischen Kirche Südafrikas im Internet veröffentlicht. Mein historisch-theologisch-spirituell-melitensisches Interesse hat sich auch in einer Internet-Veröffentlichung über die geistlichen Grundlagen und den Gründer des Malteserordens "Blessed Gérard Tonque and his everlasting brotherhood: The Order of St. John of Jerusalem" niedergeschlagen. Wer von Euch Zugang zum Internet hat, kann all dies über http://go.to/father-gerard finden. Ich erzähle Euch all dies nicht, um mit meiner Arbeitswut anzugeben, sondern weil ich Euch damit ein wenig verständlich machen - und mein eigenes schlechtes Gewissen beruhigen - will, warum ich praktisch überhaupt keine Zeit mehr für private Korrespondenz gefunden habe. Selbst mein eigener Vater, der übrigens eine Hüftoperation kürzlich gut überstanden hat, und meine Geschwister rufen mich einfach mal zwischendurch an, weil ich eben nicht zum Briefeschreiben komme.

Als der gute Prälat Martin Lehner - Gott hab' ihn selig, er ist kürzlich verstorben - bei der Predigt zu meiner Nachprimiz (im Juli 1982) in der Dompfarrei von Regensburg gepredigt hat, daß mir der Herr sicher immer nahe sein wird, wenn ich mal auf einsamer Missionsstation mit der Verlassenheit zu kämpfen habe, hatte er in allen Punkten recht, nur nicht mit der Einsamkeit, denn Mission heute ist absolut nicht so romantisch, wie sich das viele immer wieder vorstellen, sondern ein großes Abenteuer, wie man bis an die Grenzen der Belastbarkeit heran versucht, dem Herrn mit aller Energie den Weg zu bereiten. Damit möchte ich mich aber absolut nicht als Helden hinstellen, sondern ehrlich zugeben, daß all mein Versuchen ohnehin nur Stückwerk ist und nur allzu vieles nicht so läuft, wie ich mir das wünsche und vorstelle.

So möchte ich Euch abschließend um gar nichts anderes, als um Euere bleibende Verbundenheit im Gebet bitten und das tue ich ganz eindringlich. Bitte betet für mich und meine Arbeit, meine Mitarbeiter und die uns Anvertrauten! Wir beten täglich für jene, die uns mit Gebet, Spenden und durch ihre Mitarbeit unterstützen, wenn wir - d.h. die Patienten, freiwilligen Helfer und das Personal - morgens um halb acht in der Kirche des Care Centre's und Hospizes die Hl. Messe feiern.

Ich wünsche Euch allen nochmals von Herzen den Frieden und die Freude des menschgewordenen Gottessohnes für diese Weihnachtszeit und jeden Tag des Neuen Jahres 1999!

In herzlicher Verbundenheit

Euer Pater Gerhard


Anschrift: P O Box 440, Mandeni 4490, Republic of South Africa
Telefon: 0027 32 456 2743, Telefax 0027 32 456 7962, E-Mail , URL: http://go.to/father-gerard 
Spendenkonten in Deutschland: Über die Missionsprokura St. Ottilien oder gleich direkt an:
Brotherhood of Blessed Gérard, Stadtsparkasse Neuburg, Konto 12021, BLZ 72152070


This page was last updated on Friday, 18 March 2016 00:08:08