Sorge um Kranke und Gesunde
in der Pfarrei Mangete, Südafrika

Nach meiner Versetzung bin ich in das ziemlich verfallene Pfarrhaus in Mangete eingezogen. Nach einigen Renovierungsarbeiten sieht es jetzt wieder ganz ordentlich aus. Mangete ist keine allzu große Pfarrei. Die Südgrenze der Pfarrei ist der Tugela-Fluß, der in jedem Atlas zu finden ist, die Ostgrenze der Indische Ozean, im Westen grenzt die Pfarrei an die Nationalstraße N2 und im Norden an die Pfarrei Heiligkreuz in Emoyeni bei Gingindlovu.

Die Bevölkerung

Ein großer Teil meiner Pfarrkinder sind Mischlinge, die man hierzulande "Coloureds" nennt. Alte Landkarten weisen die Gegend als "Dunn-Reservat" aus. Der weisse Abenteuerer John Dunn (1833 - 1895) ehelichte 49 Frauen, von denen 16 katholisch waren. Von seinen 199 Kindern wurden 68 in der katholischen Kirche getauft. Der Dunn-Clan bekam von der Regierung rund 3500 ha Grund in Mangete als Wohn- und Wirtschaftsgebiet zugesprochen. So leben auch heute noch viele Nachkommen Dunns im Gebiet von Mangete. Manchmal sage ich spasshaft, daß ich jedermann nur mit "Hallo, Herr bzw. Frau Dunn" zu grüßen brauche, und meistens liege ich richtig.

Zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Katholiken der Pfarrei Mangete allerdings sind Zulu, verteilt auf die beiden großen Außenstationen eMandikini und eNkanyezini und die beiden kleinen St. Patrick und St. Francis.

eNkanyezini liegt ganz nahe am Indischen Ozean und ist eine recht aktive Gemeinde. Dort wohnt auch unser Katechist, Herr Khumalo, der eine sehr wesentliche Stütze der Seelsorge in unserer Pfarrei ist. Er hält Wortgottesdienste, besucht die Kranken und unterrichtet Taufbewerber und Erstkommunikanten. Mein Vorgänger hat ihm ein Motorrad gekauft, mit dem er in schwierigem Gelände auch zu den entlegensten Hütten kommen kann. So arbeiten wir sehr gut zusammen und wenn ich dann mit ihm hinausfahre, erinnert er mich immer an den Hl. Johannes den Täufer, der Christus den Weg zu den Menschen bereitet hat.

Krankenbesuche

Als ich am 4. Adventsonntag in unserer Außenstation eNkanyezini ( Maria, Stern des Meeres ) den Sonntagsgottesdienst hielt, sind uns bei 40 Grad C im Schatten die Altarkerzen so weich geworden, daß sie sich wie in einer tiefen Verneigung vor dem heiligen Geschehen am Altar bogen und schließlich vom Kerzenleuchter aus ganz nach unten hingen. Da paßte das Lied "Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab" recht gut dazu und die Leute verstanden gleich, was ich meinte, als ich ihnen sagte, daß Christi Kommen heute für uns wie ein kühlender, erfrischender Regen sein soll, den wir Menschen ebenso dringend brauchen wie dürres Land vom Wasser belebt wird.

Nach der Hl. Messe brachte ich die Hl. Kommunion in den Kral zu einer alten kranken Frau. Auf den schiefen Wänden ihres Hauses, das eher einer Baracke gleicht, als dem, was man in Europa unter einem Haus versteht, liegt altes Wellblech als Dach. Im Inneren der Behausung war es schier unerträglich heiss, jedenfalls hätte ich mir fast die Finger verbrannt, als ich das Wellblechdach von innen berührte. Da lag vor mir in der Gluthitze eine von schwerer Arbeit und Krankheit gezeichnete alte Frau und strahlte mir mit ihrem zahnlosen Mund im faltigen Gesicht mit einem Lächeln entgegen, das mich tief beeindruckte. Welche Reife und welch tiefer Glaube spricht aus so einem Lächeln, das den Schmerz und die Einsamkeit, die Hilflosigkeit, ja das Unerträgliche, von dem sie mir nachher sehr wohl erzählte, überwunden hat!

Behinderte und Aussätzige

eMandikini ist eine 1903 gegründete und Anfang der 70er Jahre wieder geschlossene Aussätzigensiedlung. Nachfolger der Leprakolonie ist ein Heim für Langzeitkranke, das von der Zuluregierung betrieben wird. Dort leben neben geistig Schwerstbehinderten und anderen chronisch Kranken noch einige ehemalige Insassen des Aussätzigendorfes, deren Lepra zum Stillstand gebracht wurde. Als mir zum erstenmal einer von ihnen seine verstümmelte zerfressene Hand zum Gruß reichte, kam mir der Hl. Franziskus in den Sinn, dem es erst vor dem Aussätzigen ekelte, den er dann aber umarmte. Alle 14 Tage besuche ich alle Kranken dort und bringe den Katholiken unter ihnen die Krankenkommunion. Jedesmal darf ich spüren, wie sehr sie sich über einen Besuch freuen, denn wer dort landet, ist ganz arm dran. Bei den Zulu ist die Bindung an die Familie und damit die Geborgenheit in ihr sehr groß, und es ist sehr wohl Brauch, sich um die Kranken der eigenen Familie anzunehmen und für sie zu sorgen, auch wenn sie sehr pflegebedürftig sind. Die Patienten von eMandikini sind daher solche, die entweder keine Familie mehr haben oder von ihrem Klan ausgestoßen wurden. Ich bin sehr gerne dort in eMandikini, und ich habe auch schon einige unausgegorene Pläne im Kopf, wie man den Leuten dort wirklich helfen könnte. Die katholische Gemeinde von eMandikini ist auch sehr aktiv und aufgeschlossen. So sind gottlob gute Voraussetzungen für eine fruchtbare Arbeit der Kirche gegeben.

Gerard Tonque Lagleder OSB
Mandini, Südafrika


Missionsblätter der Benediktiner-Missionare Uznach · 96. Jahrgang 1992 · 5 / November-Dezember · Seiten 89-90



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