Schön wär’s wenn die Heilige Nacht, die wir bald feiern, für alle Menschen so still und traut wäre und die Weihnachtszeit zu fröhlich und selig. Ich denke an die Menschen in der Ukraine, im Heiligen Land, Gaza und Libanon, an Syrien und natürlich an die Elendsviertel bei mir zu Hause im Zululand. Aber war es nicht gerade diese Dunkelheit, diese Gottferne, die Gott veranlasste, seinen eigenen Sohn als Quelle des Lichtes und des Friedens, als Erlöser und Heiland in die unerlöste Welt zu senden, nicht als deus ex machina, sondern als wehrloses neugeborenes Kind, dessen menschliche Ohnmacht uns zeigte, dass Erlösung im Dienen und in der Hingabe geschieht. Wenn nur die Mächtigen dieser Welt mehr Mut zum Dienen (Demut) und mehr Entschlossenheit zeigen würden nach wahrem Frieden zu streben, nach Vergebung, Glauben, Hoffnung und Liebe.
Vor zwei Jahren rief mich Mary an, die als Neugeborene in unser Kinderheim gekommen war und dort großgezogen wurde. Sie hatte ein 1,0 Abitur geschrieben, bekam ein Hochbegabten-Stipendium und studiert an der Universität von kwaZulu-Natal in Durban Sportwissenschaften. Nach dem Bachelor studiert sie jetzt weiter zum Master. Sie ist eine begabte Rugby-Spielerin und ist jetzt eine Mitglied der Rugby-Nationalmannschaft Südafrikas. Sie rief mich an und bat darum, an Weihnachten wieder zu uns ins Kinderheim kommen zu dürfen. Gerne sagte ich zu. Bei ihrer Ankunft sagte sie mir: „Ihr habt mir das Leben gerettet. Ihr habt mich erzogen. Ihr habt mir eine gute Bildung ermöglicht. Ihr habt meine sportlichen Talent gefördert. Ihr habt eine Persönlichkeit aus mir gemacht. Wir haben als Nationalmannschaft das erste Länderspiel, bei dem ich mitspielte, gewonnen. Ich möchte Euch das Preisgeld schenken, das ich dafür bekommen habe, damit Ihr anderen Kindern so helfen könnt, wie mir.“ Daraufhin überwies sie 10 000 Rand (=500€) auf das Konto unseres Kinderheims. Sie hatte aber auch Weihnachtsgeschenke für jedes der Kinder im Kinderheim mitgebracht und verteilte diese bei der Bescherung. Mein Weihnachtsgeschenk war die Freude, dass Mary nicht nur ein kluges Köpfchen at, sondern ein großzügiges Herz, das für andere da ist in Demut und Dankbarkeit.
An dieser Stelle möchte ich mich bedanken für alle Großzügigkeit, die uns auch in vergangenen Jahr ermöglicht hat, so vielen Hilfsbedürftigen beizustehen.
Möge der menschgewordene Gottessohn alle Menschen zum Frieden, zur Mitverantwortung und zur mitmenschlichen Liebe anregen und möge er die Herzen aller erfüllen, damit für alle frohe und gesegnete und gnadenreiche Weihnachten werden kann.
Herzlichst Euer
Pater Gerhard T. Lagleder OSB
