Lebensaufgabe in Südafrika
Seit seiner Aussendung durch die Erzabtei St. Ottilien verbindet Pater Gerhard Lagleder OSB benediktinische Spiritualität, priesterlichen Dienst und organisierte Hilfe für kranke, arme und schutzbedürftige Menschen im Zululand.
Priesterlicher Dienst
Die Sorge für den ganzen Menschen schließt immer auch die seelsorgliche Begleitung ein: die persönliche Begleitung Schwerkranker und ihrer Familien und die Sakramente (Taufe, Beichte, Eucharistie, Eheschließung, Krankensalbung). Diese Verbindung von Liturgie und tätiger Nächstenliebe ist kein Zusatz zum Hilfswerk, sondern sein geistlicher Mittelpunkt.
Menschenwürde und kulturelles Verstehen
Ganzheitliche Hilfe beginnt mit dem Respekt vor der Würde, der Geschichte und der Kultur jedes Menschen. Darum gehörte es von Anfang an zum Auftrag, nicht nur Not zu lindern, sondern den Menschen zuzuhören, ihre Lebenswelt zu verstehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.
Pastorale Begleitung
Die historische Dokumentation zeigt Krankenbesuche und die Feier der Sakramente im Care Centre: Taufe, Beichte, Eucharistie, Eheschließung und Krankensalbung. Sie macht sichtbar, wie eng seelsorglicher und pflegerischer Dienst miteinander verbunden sind.
Zulu-Traditionen und traditionelle Heilkunde
Pater Severin Pschorn OSB und Schwester Romualda führten Pater Gerhard nicht nur in die Sprache, sondern auch in Denkweisen, Ängste, Mythologie und religiöse Vorstellungen der Zulu ein. Dieses Wissen half, medizinische und pastorale Hilfe respektvoll und verständlich anzubieten.
Inkamana – klösterliche Heimat und Auftrag
Pater Gerhards Missionsarbeit in Mandeni stand und steht im Zeichen des Auftrags seiner benediktinischen Gemeinschaft. Am 30. Januar 1987 kam er in der Abtei Inkamana an, die seine klösterliche Heimat in Südafrika wurde. Von hier aus erfüllte er seinen priesterlichen und karitativen Auftrag im Zululand. Bereits am 10. Februar 1987 brachte ihn Abt Gernot Wottwah OSB zur St. Francis Xavier Mission nach Mahlabathini. Dort wirkte er als Kaplan und erlernte die Sprache und Lebensweise der Zulu.
Im Oktober 1990 übernahm Pater Gerhard die Leitung der Pfarrei Mangethe, im April 1991 folgte zusätzlich die der Pfarrei Mandeni. Um die karitative Arbeit der Kirche in beiden Gemeinden effektiv zu organisieren, gründete er am 28. Oktober 1992 die „Brotherhood of Blessed Gérard“. Diese Organisation wuchs so stark, dass er am 26. Juli 2001 für ihre Leitung freigestellt wurde.
Dennoch amtierte er vom 18. Januar 2010 bis zum 28. Februar 2011 als Zellerar der Abtei. In einem von ihm scherzhaft „Time-share-Modell“ genannten Arbeitsrhythmus verbrachte er wöchentlich vier Tage im Kloster und drei Tage in Mandeni. Die dreistündige Fahrt war 226 Kilometer lang. Seine Aufgaben umfassten die Klosterverwaltung, das Finanzwesen samt Umstellung auf Internet-Banking, die Reorganisation der Ablage, den Einkauf, die Instandhaltung sowie die Budgetverantwortung für die bekannte High School mit Internat.
Abt Godfrey entband ihn schließlich auf eigene dringende Bitte vom Zelleraramt. So konnte er sich ganz der damals gefährdeten Finanzierung des AIDS-Behandlungsprogramms widmen. Genau diese Doppelaufgabe zeigt: Mandeni war kein privates Einzelprojekt, sondern ein Werk im Auftrag und in geistlicher Verbundenheit mit seiner Gemeinschaft.
Ein Werk aus dem Glauben
Die Brotherhood of Blessed Gérard wurde am 28. Oktober 1992 in Mandeni gegründet. Bis zur Gründung des Care Centres gehörten sämtliche Aufgaben unmittelbar zur Brotherhood. Später wurden die karitativen Arbeitsfelder auf das Blessed Gérard’s Care Centre und – für die frühkindliche Bildung – auf das BGECDC übertragen. Die Brotherhood unterstützt beide Werke heute finanziell, moralisch und organisatorisch.
„Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist – und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen.“
Wichtige Lebens- und Werkstationen
- Aussendung als Missionar aus der Erzabtei St. Ottilien.
- Ankunft als Neumissionar in der Abtei Inkamana.
- Kaplan in der St. Francis Xavier Mission, Mahlabathini.
- Pfarrer in Mangethe.
- Pfarrer in Mandeni.
- Gründung der Brotherhood of Blessed Gérard in Mandeni.
- Eröffnung der Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge.
- Beginn der Aufklärungsarbeit zu HIV und AIDS.
- Eröffnung des Kindergartens.
- Segnung und Eröffnung des Blessed Gérard’s Care Centre.
- Aufnahme der ersten Kinder in das Kinder- und Jugendheim.
- Erster Patient im HAART-Programm.
- Segnung der großen Erweiterungen des Care Centres.
- Vorstellung der Erfahrungen aus KwaZulu-Natal bei den Vereinten Nationen in New York.
Das umfassende Hilfsnetz
- Hospiz- und Palliativpflege, stationär und zu Hause
- HIV/AIDS-Aufklärung, Beratung und antiretrovirale Behandlung
- Kinder- und Jugendheim
- Frühkindliche Bildung und Kindergarten
- Klinik für unterernährte Kinder
- Krankenhilfsfonds für dringend notwendige Behandlungen
- Stipendienfonds
- Nothilfe und Katastrophenhilfe
- Erste Hilfe und Notdienst
- Seniorenarbeit
- Ausbildung in Pflege, Beratung und Erster Hilfe
- Pastorale und sakramentale Begleitung
Die heutigen Seiten der Einrichtungen
Historische Originalseiten
Die Originalseiten bleiben als historische Primärquellen erhalten. Ihre Sprache und Organisationsstruktur spiegeln jeweils den Stand ihrer Entstehungszeit.

Hilfe zur Selbsthilfe – die Nähschule
Am 1. Juni 1993 nahm das Community Development Centre seine Arbeit auf. Seine Nähschule vermittelte arbeitslosen Frauen nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, sondern einen Weg zu Beschäftigung und selbständiger Arbeit. Bereits 1994 bestanden 49 Teilnehmerinnen den Grundkurs und 25 den Fortgeschrittenenkurs; Radio Zulu machte damals kostenlos auf das Angebot aufmerksam.
Die historischen Filmgespräche zeigen noch eine weitere Dimension: Eine eigene Erwerbsmöglichkeit konnte gefährdeten Frauen eine Alternative zur Prostitution eröffnen und damit zugleich HIV-Infektionen vorbeugen. Seit dem 1. Juli 1999 wurde die Schule unter Florence Mdletshe im Pfarrsaal von Mandeni neu aufgebaut; am 9. Juli 2000 zog sie in den erweiterten Flügel des Care Centre.